Ein Familienunternehmen in fünfter Generation kämpft ums Überleben: Die Modekette Keller-Warth aus Biberach steht vor einer ungewissen Zukunft. 90 Beschäftigte bangen um ihre Stellen.
Seit 1864 prägt Keller-Warth den Modemarkt in der Region Baden-Württemberg. Doch 162 Jahre Unternehmensgeschichte bieten keinen Schutz vor den harten Realitäten des heutigen Einzelhandels. Geschäftsführer Günter Warth hat beim Amtsgericht Ravensburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt.
Das Unternehmen betreibt 14 Filialen an sieben Standorten. Zu den betroffenen Städten zählen Ravensburg, Freiburg und Überlingen. Alle Geschäfte sollen vorerst weiter geöffnet bleiben.
Gleich mehrere Faktoren haben das Traditionshaus in die finanzielle Schieflage getrieben. Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie schwächen das Unternehmen bis heute. Hinzu kommen sinkende Besucherzahlen in den Innenstädten und deutlich gestiegene Betriebskosten. Warth formuliert es so: Die gewachsenen Strukturen des Unternehmens seien unter den heutigen Bedingungen nicht mehr überall tragfähig. Der stationäre Modehandel habe sich grundlegend gewandelt, darauf müsse auch Keller-Warth reagieren.
Mit dem Ulmer Rechtsanwalt Michael Winterhoff übernimmt ein erfahrener Fachmann die Rolle des vorläufigen Sachwalters. Seine Aufgabe besteht darin, die Grundlagen für eine Fortführung des Betriebs zu legen. Warth setzt erkennbar auf diesen Weg: Er will möglichst viele der 90 Arbeitsplätze erhalten und die Unternehmensgeschichte fortschreiben.
Für den Geschäftsführer, der das Haus in der fünften Generation leitet, trägt die aktuelle Situation besonderes Gewicht. Die Verantwortung gegenüber der Belegschaft und der langen Firmentradition stehe für ihn an erster Stelle, betont er.
Ob die Sanierung gelingt, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Der Ausgang des Verfahrens dürfte weit über Biberach hinaus Aufmerksamkeit erregen, denn Keller-Warth gilt als eines der ältesten noch aktiven Modehäuser in Süddeutschland.
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