Ein Rechtsanwalt aus Ulm übernimmt jetzt das Ruder bei einem der ältesten Modehäuser Oberschwabens. Das Amtsgericht Ravensburg bestellte Michael Winterhoff zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Handelskette Keller-Warth aus Biberach an der Riß. Seine Aufgabe: die wirtschaftliche Lage prüfen, den Betrieb sichern und Wege aus der Krise finden.
Rund 90 Beschäftigte bangen nun um ihre Stellen. Günter Warth führt das 1864 gegründete Familienunternehmen in fünfter Generation. Er beantragte beim Amtsgericht Ravensburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Trotzdem bleiben alle 14 Filialen in Baden-Württemberg und Bayern vorerst geöffnet.
Standorte existieren unter anderem in Biberach, Ravensburg, Laupheim, Riedlingen, Überlingen und Freiburg. Auch im bayerischen Oberjoch betreibt das Unternehmen ein Geschäft. Der Verkauf läuft in sämtlichen Häusern weiter.
Warth benennt mehrere Ursachen für die finanzielle Schieflage. Die zwangsweisen Schließungen während der Pandemie hinterließen tiefe Spuren. Sinkende Besucherzahlen in den Innenstädten verschärften die Lage zusätzlich. Dazu kamen deutlich gestiegene Betriebskosten, die das Unternehmen weiter belasteten.
Über Jahrzehnte gewachsene Strukturen erweisen sich unter veränderten Marktbedingungen als schwere Last. Nicht alle Standorte lassen sich unter diesen Umständen noch wirtschaftlich betreiben. Ob einzelne Filialen umgebaut, zusammengelegt oder geschlossen werden, steht bislang nicht fest.
Die Unternehmensführung nennt den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze als vorrangiges Ziel des Verfahrens. Ob das gelingt, hängt vom Verlauf der Sanierung ab. Winterhoff muss zunächst klären, welche Möglichkeiten für eine Fortführung tatsächlich bestehen.
Der Fall Keller-Warth steht stellvertretend für den Druck, unter dem traditionelle Modefachhändler seit Jahren stehen. Veränderte Einkaufsgewohnheiten, wachsende Konkurrenz und steigende Kosten machen es inhabergeführten Betrieben schwer, wirtschaftlich zu überleben. Was mit einem der ältesten Handelshäuser der Region geschieht, entscheidet sich in den kommenden Wochen.
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