Ein über ein Jahrhundert altes Familienunternehmen aus Schwäbisch Gmünd steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Alois Rettenmaier GmbH & Co. KG, spezialisiert auf Metallveredelung und Prägung, hat beim Amtsgericht Aalen die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt. 23 Beschäftigte bangen nun um ihre Arbeitsplätze.
Das Gericht handelte prompt. Noch am selben Tag, dem 20. Juli, bestellte es den Heilbronner Rechtsanwalt Ado Nika zum vorläufigen Verwalter. Dieser bestätigt, dass der laufende Betrieb vorerst weitergeführt wird. Die Gehälter bis einschließlich Juni sind ausgezahlt. Für die Monate Juli, August und September springt die Arbeitsagentur mit der gesetzlichen Lohnersatzleistung ein.
Über die Ursachen der finanziellen Schieflage schweigt Nika derzeit noch. Zu diesem frühen Zeitpunkt lägen ihm schlicht keine gesicherten Erkenntnisse vor, erklärt er. Klarheit dürfte erst entstehen, wenn die laufende Prüfung in den kommenden Wochen erste Ergebnisse liefert.
Dabei blickt das Unternehmen auf eine bemerkenswert lange Geschichte zurück. Firmengründer Alois Rettenmaier, ein ausgebildeter Stahlgraveur, legte 1914 den Grundstein. Seither befindet sich der Betrieb in Familienhand. Über mehr als ein Jahrhundert baute das Haus sein Sortiment kontinuierlich aus: von Vereinsbedarf über Werbeartikel bis hin zu Präzisionsteilen für die Automobilindustrie.
Gerade dieser letzte Bereich könnte eine Rolle bei den aktuellen Problemen spielen. Die Automobilbranche durchlebt derzeit eine tiefe Strukturkrise, die viele Zulieferer und Dienstleister in Bedrängnis bringt.
Das Leistungsspektrum des Gmünder Traditionsbetriebs reicht von Schlüsselanhängern und Namensschildern über Sonderanfertigungen bis zu Stanz und Biegeteilen. Ein eigener Werkzeugbau sowie ein Lasergravurservice für Materialien wie Holz, Metall, Glas und Stein runden das Angebot ab. Seit 2013 ist das Unternehmen nach der einschlägigen Qualitätsnorm zertifiziert, zuletzt auditiert im März 2025. Geschäftsführer ist laut Handelsregister Rolf Weiss.
Ob eine Sanierung gelingt, bleibt offen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob das 111 Jahre alte Familienunternehmen eine Zukunft hat.
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