Mi.. Juli 29th, 2026

Seit mehr als 160 Jahren produziert die Gräflich zu Stolberg’sche Brauerei Westheim Bier in der Nähe von Marsberg. Nun zwingt die Krise der deutschen Brauwirtschaft das Familienunternehmen in die Knie.

Das Amtsgericht Bielefeld hat grünes Licht gegeben: Die Brauerei darf ihr Sanierungsverfahren in eigener Regie durchführen. 58 Beschäftigte und zwei Auszubildende bangen um ihre Zukunft, auch wenn der laufende Betrieb vorerst gesichert ist. Bierproduktion, Abfüllung und Lieferung der Marken Westheimer, Arolser, Allersheimer, Caluna, limoNAHde und Nah2O laufen planmäßig weiter.

Der Schritt zur Zahlungsunfähigkeit kommt nicht überraschend. Die deutsche Brauereibranche befindet sich seit Jahren in einem tiefgreifenden Wandel. Der Bierkonsum sinkt kontinuierlich, Trinkgewohnheiten verschieben sich, und gleichzeitig wächst der Druck auf Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. Dazu kommen explodierende Energie und Rohstoffkosten, die besonders mittelständische Betriebe hart treffen. Mehrere Anpassungsversuche reichten nicht aus, um das Unternehmen zu stabilisieren.

Die Zahlen belegen den Trend: Deutschlandweit gab es 2019 noch 1.552 Brauereien. Bis 2025 schrumpfte diese Zahl auf 1.415. Allein zwischen 2023 und 2025 verschwanden damit fast 100 Betriebe vom Markt.

Die Geschäftsleitung arbeitet nun eng mit Restrukturierungsexperten zusammen. Geschäftsführender Gesellschafter Moritz von Twickel gibt sich kämpferisch. Als Familienunternehmen denke man nicht in Quartalen, sondern in Generationen, betont er. Das Sanierungsverfahren sei kein Schlusspunkt, sondern der Beginn einer grundlegenden Neuausrichtung. Ziel sei es, Marken, Belegschaft und Standort dauerhaft zu erhalten.

Ob dieses Ziel erreichbar ist, werden die kommenden Monate zeigen. Der Druck auf kleine und mittlere Brauereien bleibt enorm.

Unsere laufend aktualisierte Übersicht zu weiteren Unternehmensinsolvenzen im DACH Raum finden Sie hier: Aktuelle Insolvenzen.

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