Die traditionsreiche Walzengießerei in Coswig steht vor einem tiefgreifenden Neuanfang. Nach deutlichen wirtschaftlichen Einbrüchen hat das Unternehmen beim Amtsgericht Dresden ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Damit soll eine umfassende Neuordnung eingeleitet werden, um die Zukunft des Betriebs langfristig zu sichern.

Auslöser der finanziellen Schwierigkeiten waren vor allem stark gestiegene Energie- und Materialkosten, die die wirtschaftliche Basis des Betriebs erheblich belastet haben. Obwohl der Umsatz zuletzt zulegte, verschlechterte sich das Ergebnis deutlich. Nach Unternehmensangaben führten diese äußeren Faktoren zu einer unerwartet schnellen Verschärfung der Lage.

Die Geschäftsführung zeigt sich dennoch überzeugt, dass der Betrieb weiterhin eine solide Grundlage besitzt. Die Herausforderungen lägen vor allem in der Notwendigkeit, Prozesse und Strukturen stärker an die aktuellen Marktbedingungen anzupassen. Die Eigenverwaltung soll ermöglichen, diese Veränderungen ohne den Verlust der betrieblichen Kontrolle umzusetzen.

Für den Mutterkonzern, die Dihag Holding, ist die Entwicklung allerdings kein Einzelfall. Vor wenigen Monaten meldete bereits ein weiteres Unternehmen der Gruppe Insolvenz an. Die Holding, die heute ihren Sitz in Düsseldorf hat, zählt seit Jahren zu den bedeutenden Gießereiverbünden Europas und steht damit insgesamt vor größeren strukturellen Aufgaben.

In Coswig sorgen die Nachrichten für sichtbare Unruhe. Die Stadtspitze zeigte sich überrascht vom Umfang der wirtschaftlichen Probleme. Gleichzeitig äußerte sie deutliches Interesse an einer erfolgreichen Stabilisierung des Standorts, nicht zuletzt wegen der langen industriellen Tradition und der zahlreichen Arbeitsplätze. Auch die IG Metall hat ihre Unterstützung zugesagt und betont, dass der Erhalt des Betriebs höchste Priorität habe.

Die kommenden Monate werden darüber entscheiden, ob die geplanten Maßnahmen greifen und der Betrieb seine Rolle als bedeutender Gießereistandort fortsetzen kann.

Update vom 29.10.2026

Die Walzengießerei Coswig stellt Ende November die Fertigung ein. Alle rund 170 verbliebenen Beschäftigten haben bereits ihre Kündigung erhalten. Bei der Antragstellung hatte das Unternehmen noch 220 bis 260 Mitarbeiter. Die Suche nach einem Investor blieb ohne Erfolg: Etwa 140 mögliche Interessenten wurden angesprochen, mit zehn von ihnen gab es vertiefte Gespräche. Am Ende sagten jedoch alle ab, weil sie die Finanzierung wirtschaftlich nicht für tragfähig hielten. Die Belegschaft hatte zuvor auf Sonderzahlungen, leistungsabhängige Zulagen und Lohnsteigerungen verzichtet, konnte die Schließung damit aber nicht verhindern. Als Ursachen nennen die Beteiligten neben den gestiegenen Material- und Energiekosten eine sinkende Auslastung. Die Nachfrage nach Stahl in Deutschland ging seit 2017 um etwa 30 Prozent zurück. Das Unternehmen schreibt nach eigenen Angaben seit mindestens 2017 durchgehend Verluste. Die IG Metall sieht zusätzlich jahrelange Managementfehler als Grund. Die deutsche Rohstahlerzeugung fiel 2025 auf den tiefsten Stand seit 2009. Für die Betroffenen organisiert die IG Metall am Freitag (30. Oktober) eine Jobmesse im Brauhaus Radebeul. Das Schwesterwerk SHB in Leipzig hatte bereits im September 2025 Insolvenz angemeldet.

Unsere laufend aktualisierte Übersicht zu weiteren Unternehmensinsolvenzen im DACH Raum finden Sie hier: Aktuelle Insolvenzen.

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