Das Bethlehem Gesundheitszentrum in Stolberg steckt in der Pleite. Die Klinikleitung teilte den rund 1.200 Beschäftigten am 3. November 2026 mit, dass sie einen Insolvenzantrag stellt. Sie strebt ein Verfahren in Eigenverwaltung an. Den Betrieb des Krankenhauses beeinträchtigt das nach Angaben der Klinik nicht.

Eigenverwaltung statt Zerschlagung

Bei der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt und steuert die Sanierung selbst. Üblicherweise überwacht ein Sachwalter ihre Arbeit und schützt die Interessen der Gläubiger.

Die Löhne und Gehälter der Belegschaft sind zunächst für drei Monate gesichert. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt in dieser Zeit Insolvenzgeld. Dabei springt sie für ausstehende Nettoentgelte ein, damit die Beschäftigten ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Ab Februar 2027 muss das Krankenhaus die Lohnzahlungen wieder aus eigener Kraft leisten. Lieferanten bezahlt die Klinik nach eigener Aussage weiterhin pünktlich.

Millionenverluste seit dem Trägerwechsel

Das Haus schreibt seit Jahren rote Zahlen. Seit die Alexianer GmbH 2021 die Mehrheit der Anteile übernahm, wuchsen die Defizite. Bis einschließlich 2024 summierte sich der Verlust auf nahezu 11 Millionen Euro. Verluste aus dem Jahr 2025 sind in dieser Summe noch nicht enthalten. Hinzu kommt eine zusätzliche Belastung in Millionenhöhe, die sie auf politische Rahmenbedingungen zurückführt.

Als Gründe für die Schieflage nennt das Haus gestiegene Ausgaben für Energie, Medizinprodukte und Personal.

Vor der Übernahme lag die Trägerschaft über 146 Jahre bei der katholischen Kirchengemeinde St. Lucia. Das Krankenhaus gibt es seit mehr als 160 Jahren.

Sanierung bis 2029

Das Ziel der Geschäftsführung lautet, den Standort Stolberg zu erhalten und die wohnortnahe Versorgung zu sichern. Dazu will sie sich jede Abteilung einzeln anschauen. Wie es für die einzelnen Abteilungen weitergeht, kann sie noch nicht sagen. Beschäftigte, deren Stellen wegfallen, sollen nach Möglichkeit in andere Bereiche oder an andere Krankenhäuser wechseln. Die Umstrukturierung soll spätestens 2029 abgeschlossen sein.

Das Bethlehem Gesundheitszentrum ist eine Akutklinik mit sechs Fachkliniken und einer Radiologie. Es betreibt die größte Geburtsklinik der Städteregion, an die direkt eine Kinderklinik angeschlossen ist. Zugleich zählt es zu den größten Arbeitgebern der Stadt. Von der Zukunft des Hauses hängen daher nicht nur Patienten und Familien in der Region ab, sondern auch viele Beschäftigte.

Der Bürgermeister von Stolberg übt Kritik an der Geschäftsleitung. Sie habe trotz jahrelanger Verluste nicht rechtzeitig gegengesteuert, lautet sein Vorwurf.

Patienten können das Krankenhaus nach Angaben der Betreiber weiterhin ohne Einschränkungen nutzen. Wie das Verfahren verläuft, hängt nun davon ab, ob der Sanierungsplan die Gläubiger überzeugt und die Klinik ihre Kosten dauerhaft senken kann.

Einen Überblick über weitere Insolvenzmeldungen im DACH Raum erhalten Sie auf unserer Seite Aktuelle Insolvenzen.

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