Der steirische Anlagenbauer Kaiser aus Deutschfeistritz ist zahlungsunfähig. Das Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz eröffnete am 3. November 2026 das Konkursverfahren über das Unternehmen. Die Schuldnerin hatte den Antrag selbst gestellt. Eine Sanierung ist nicht geplant, der Betrieb schließt. 44 Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze.
Konkurs ohne Fortführung
Das Verfahren läuft unter der Geschäftszahl 25 S 215/26v. Als Insolvenzverwalter bestellte das Gericht die Kohlfürst Rechtsanwalts GmbH, die Rechtsanwalt Mag. Stefan Kohlfürst vertritt. Anders als bei einem Sanierungsverfahren zielt ein Konkurs nicht auf den Erhalt des Unternehmens. Der Verwalter verwertet das Vermögen und verteilt den Erlös an die Gläubiger.
Der Verwalter wird deshalb nur noch Projekte zu Ende bringen, deren Fertigstellung unmittelbar bevorsteht. Danach legt er den Betrieb endgültig still. Das Unternehmen am Firmensitz Am Feldboden 2 liefert Mischtechnik für Betonwerke und Hersteller von Fertigteilen und baut Industrieanlagen. Gegründet wurde es 1973. Geschäftsführer und mit 90 Prozent Mehrheitsgesellschafter ist Diplomingenieur Gernot Kaiser. Die übrigen 10 Prozent hält Dr. Helga Kaiser.
Hohe Schulden, 87 Gläubiger
Dem Vermögen von rund 3,88 Millionen Euro stehen Schulden von etwa 7,42 Millionen Euro gegenüber. Die Lücke beträgt damit gut 3,5 Millionen Euro. Betroffen sind etwa 87 Gläubiger. Den größten Block bilden Banken mit rund 4,87 Millionen Euro, Lieferanten fordern rund 2,39 Millionen Euro. Hinzu kommen Verbindlichkeiten gegenüber Dienstnehmern und Abgabenbehörden.
Die Bezüge für den Monat Oktober 2026 blieb das Unternehmen den Beschäftigten schuldig. Das Geld bleibt vorerst offen. In solchen Fällen können Arbeitnehmer in Österreich offene Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis über den Insolvenzentgeltfonds geltend machen. Dieser springt ein, wenn der Arbeitgeber nicht mehr zahlen kann.
Gläubiger müssen ihre Forderungen im Verfahren anmelden. Die Frist endet am 31. Dezember 2026. Die Prüfungstagsatzung und die Berichtstagsatzung hat das Gericht für den 14. Januar 2027 um 11:00 Uhr angesetzt. Dort prüfen die Beteiligten die angemeldeten Forderungen, und der Verwalter berichtet über die wirtschaftliche Lage und die Aussichten des Verfahrens.
Wie es zur Zahlungsunfähigkeit kam
Nach Angaben der Schuldnerin begann der Abstieg mit stark gestiegenen Material- und Produktionskosten infolge des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine. Zusätzlich musste das Unternehmen Großprojekte, die 2023 und 2024 anfielen, mit Verlust abwickeln. Die Fertigstellungstermine waren vertraglich mit Strafzahlungen belegt. Das Unternehmen konnte sie nur um den Preis hoher Einbußen einhalten.
Die Verluste zehrten das Eigenkapital auf, es wurde negativ. Auch die Liquiditätskennzahlen fielen zu schwach aus. Nach Darstellung der Schuldnerin erhielt sie deshalb keine neuen Aufträge mehr. Ein weiterer Konflikt, der den Iran betrifft, und neue Kostensteigerungen belasteten die Margen zusätzlich.
Hoffnung bot zuletzt ein geplanter Investor. Er stieg im Oktober 2026 überraschend aus. Daraufhin fror die Bank, die den Großteil der Finanzierung trug, die Kreditlinie für laufende Ausgaben ein. Damit fehlte dem Unternehmen das Geld für laufende Zahlungen, die Zahlungsunfähigkeit trat ein.
Für die Region bedeutet die Pleite den Verlust eines Betriebs mit mehr als fünf Jahrzehnten Geschichte. Wie viel die Gläubiger aus der Verwertung des Vermögens erhalten, zeigt sich erst im weiteren Verlauf des Konkursverfahrens.
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