Mi.. Aug. 12th, 2026

Jahrelang galt Sanicare als eine der bekanntesten Versandapotheken Deutschlands. Nun kämpft das Unternehmen aus Bad Laer zum zweiten Mal in seiner Geschichte ums Überleben.

Die Betreibergesellschaft BS-Apotheken OHG hat beim zuständigen Gericht die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Dahinter stehen die geschäftsführenden Gesellschafter Christoph Bertram und Heinrich Meyer. Das Unternehmen strebt dabei keine klassische Abwicklung an, sondern ein sogenanntes Eigenverwaltungsverfahren. Das bedeutet: Die bisherige Führung bleibt im Amt und leitet den Sanierungsprozess selbst. Ein externer Verwalter wurde nicht eingesetzt.

Als Ursache der finanziellen Notlage nennt das Unternehmen rückläufige Umsätze bei gleichzeitig hohen Ausgaben für den Aufbau der eigenen Infrastruktur. Beobachter sehen auch den verschärften Wettbewerb durch ausländische Versender als Belastungsfaktor. Seit der Einführung des elektronischen Rezepts haben diese mit massiven Werbekampagnen den deutschen Markt bearbeitet.

Sanicare erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von rund 80 Millionen Euro und betreute nach eigenen Angaben etwa 1,6 Millionen Kunden. 74 Mitarbeiter sind bei dem Unternehmen beschäftigt. Noch Anfang 2025 hatte das Unternehmen ambitionierte Ziele formuliert: Erstmals sollte die Umsatzschwelle von 100 Millionen Euro geknackt werden. Zu diesem Zweck holte man Marcus Dieckmann als Strategen ins Haus, der auch potenzielle Investoren ansprechen sollte. Gleichzeitig plante die Gruppe eine Expansion in die Niederlande.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sanicare in eine solche Lage gerät. Bereits 2012 musste das Unternehmen Zahlungsunfähigkeit anmelden. Damals übernahm Volkmar Schein die Gesellschaft mit Unterstützung des Netzwerks Pharm-Net. 2016 zog er sich aus dem operativen Geschäft zurück und starb noch im selben Jahr.

Das vorläufige Eigenverwaltungsverfahren soll nach aktuellem Stand im Oktober offiziell eröffnet werden. Verbindlichkeiten aus der Zeit vor der Verfahrensanordnung können vorerst nicht beglichen werden. Gläubiger können ihre Forderungen dann beim bestellten Sachwalter anmelden.

Der laufende Geschäftsbetrieb sei nicht unterbrochen, betont das Unternehmen. Neben der Versandapotheke umfasst die Unternehmensgruppe auch die Bereiche Krankenhausversorgung, Großkundenbelieferung sowie mehrere stationäre Apotheken vor Ort.

Eine laufend aktualisierte Übersicht weiterer Firmeninsolvenzen im DACH Raum finden Sie unter Aktuelle Insolvenzen.

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