Bereits zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren steckt die Eurotech Guss Schwäbisch Gmünd GmbH in einer Existenzkrise. Das Amtsgericht Aalen ordnete die vorläufige Eigenverwaltung für den Aluminiumbetrieb an. Für die 80 Beschäftigten läuft der Betrieb vorerst weiter.
Die Wurzeln der Gießerei reichen bis ins Jahr 1913 zurück. Damals gründete die Familie Schenk das Unternehmen und gab ihm ihren Namen. Mehr als ein Jahrhundert Firmengeschichte, und nun bereits die zweite schwere Krise. Schon 2021 musste der Betrieb eine Sanierung durchlaufen. Nach der Übernahme durch Ralf Brinschwitz im Jahr 2023 erhielt die Gießerei ihren heutigen Namen. Doch die Neuaufstellung reichte offenbar nicht aus, um eine erneute Schieflage zu verhindern.
Als Ursache nennt das Unternehmen die ausgeprägte Zurückhaltung bei Investitionen sowie die anhaltende wirtschaftliche Verunsicherung in Deutschland. Brinschwitz gibt sich dennoch zuversichtlich. Er kündigte an, das Unternehmen dauerhaft auf eine stabile finanzielle Grundlage stellen zu wollen.
Der Fall aus Baden-Württemberg steht nicht allein. Die Zahl der Firmen, die ihre Zahlungsunfähigkeit bei deutschen Amtsgerichten anmelden, bleibt auf einem hohen Niveau. Allein im April meldeten 2.276 Unternehmen ihre Zahlungsunfähigkeit an. Das entspricht einem Anstieg von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres kletterte die Gesamtzahl um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Bezogen auf je 10.000 Unternehmen verzeichnete die Statistik bis Ende April 24,1 Fälle. Besonders hart trifft es den Bereich Transport und Lagerung mit 43,9 Fällen je 10.000 Betriebe, gefolgt vom Gastgewerbe und dem Bausektor. Bei der Einordnung der Zahlen ist zu beachten, dass zwischen dem tatsächlichen Antrag und der gerichtlichen Erfassung oft fast drei Monate vergehen.
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle registrierte für Personen- und Kapitalgesellschaften im ersten Halbjahr insgesamt 4.996 Zahlungsausfälle. Das ist der höchste Stand seit dem zweiten Quartal 2005. Die Forscher betonen, dass nahezu alle Branchen und Regionen gleichzeitig unter Druck stehen.
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