Die traditionsreiche Halberstädter Konserven GmbH steckt erneut in der Krise. Das Amtsgericht Magdeburg ordnete Anfang Juni eine vorläufige Insolvenzverwaltung an, nachdem das Unternehmen einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Damit liegt die Kontrolle über Finanzen und wesentliche Entscheidungen nun bei einer externen Insolvenzverwalterin.
Auslöser der neuerlichen Schieflage war offenbar das Wegbrechen eines Grossauftrags, dessen Finanzierung kurzfristig zurückgezogen wurde. Das ist besonders bitter, denn erst im Januar war ein vorangegangenes Insolvenzverfahren beendet worden. Ende April wurde dann publik, dass die Unternehmerfamilie den Betrieb samt Marke veräussern will.
Rund 150 Beschäftigte sind von den Folgen unmittelbar betroffen. Die Produktion ruht seit dieser Woche vollständig, das Gehalt für Mai wurde nicht ausgezahlt. Besonders problematisch: Die Mitarbeiter haben keinen Anspruch auf Insolvenzgeld. Die Bundesagentur für Arbeit lehnt eine Zahlung ab, weil kein neues Insolvenzereignis im rechtlichen Sinne vorliegt und der frühere Insolvenzplan nicht erfüllt wurde. Den Beschäftigten bleibt daher nur, ihre Forderungen als Glaubiger im Verfahren anzumelden. Ob und in welcher Hoehe sie dabei Erfolg haben, ist ungewiss.
Ob es eine Zukunft fuer den Standort gibt, steht ebenfalls in den Sternen. Zwar soll es zwei potenzielle Kaufinteressenten geben, doch Grundstueck und Produktionsanlagen gehoeren nicht der GmbH selbst, sondern der Unternehmerfamilie. Diese muss einem Verkauf erst zustimmen. Konkrete Fortschritte gibt es bislang nicht.
Das Unternehmen blickt auf eine lange Geschichte zurueck. Schon zu DDR-Zeiten waren die Halberstadter Wurstkonserven weithin bekannt und galten als begehrte Mangelware. Ob dieser Betrieb weiterbesteht, ist derzeit vollkommen offen.
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