Nach gut einem Jahrzehnt ist Schluss für den Schweizer Onlinelebensmittelhändler Farmy. Das Unternehmen hat seinen Betrieb eingestellt und hinterlässt eine empfindliche Lücke für zahlreiche regionale Erzeuger und Biobetriebe, die über die Plattform ihre Produkte an städtische Kunden verkauften.
Farmy wurde 2014 in Zürich gegründet und positionierte sich als digitaler Marktplatz für nachhaltige und regionale Lebensmittel. Das Konzept sah vor, Bioprodukte direkt vom Erzeuger ohne Zwischenlager und weitgehend plastikfrei zum Kunden zu liefern. Das Sortiment reichte von Obst, Gemüse und Käse bis hin zu Fleisch, Wein und Blumen. Rund 1.200 Produzenten arbeiteten nach eigenen Angaben mit dem Unternehmen zusammen.
Für viele landwirtschaftliche Betriebe war Farmy zu einem festen Absatzkanal geworden. Besonders deutlich zeigt sich das am Beispiel eines Fleischlieferanten, der über die Plattform einen Jahresumsatz von rund 700.000 Franken erzielte. Nun drohen ihm neben dem Umsatzausfall auch offene Forderungen im fünfstelligen Bereich.
Die wirtschaftlichen Probleme des Unternehmens resultierten vor allem aus den hohen Betriebskosten im Frischwarenhandel. Die lückenlose Kühlkette verschlang erhebliche Mittel. Hinzu kam ein deutlicher Rückgang der Bestellzahlen nach dem pandemiebedingten Boom. Bereits 2023 reagierte Farmy mit Standortschliessungen und Stellenabbau. Eine Fusion mit dem Lebensmittelgrosshandler Pico Lebensmittel Anfang 2025 sollte das Unternehmen stabilisieren – doch auch diese Massnahme kam offenbar zu spät.
Mit dem Ende von Farmy verlieren Direktvermarkter und Biobetriebe in der Schweiz nicht nur einen Vertriebskanal, sondern auch den Zugang zu einer kaufkraftstarken, urban geprägten Kundschaft. Alternativen, die eine vergleichbare Reichweite bieten, sind derzeit kaum in Sicht.
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