Der amerikanische Teleshopping-Riese QVC hat einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechts eingereicht. Damit reiht sich das Unternehmen in eine Serie von Pleiten in der Branche ein, zu der zuletzt auch Mediashop und Channel 21 gehörten.
Zentrales Ziel des Verfahrens ist ein drastischer Schuldenabbau. Die aktuellen Verbindlichkeiten von 6,6 Milliarden Dollar sollen auf 1,3 Milliarden Dollar reduziert werden. Zur QVC Group gehört neben dem gleichnamigen Sender auch das Home Shopping Network HSN. Beide Marken gelten als Wegbereiter des weltweiten Teleshoppings, kämpften in den vergangenen Jahren jedoch mit strukturellen Problemen: sinkende Einschaltquoten im linearen Fernsehen und wachsende Konkurrenz durch den Onlinehandel.
Das Insolvenzverfahren betrifft ausschließlich die US-amerikanischen Gesellschaften. Internationale Töchter in Deutschland, Großbritannien, Japan und Italien sind nicht einbezogen. Der Geschäftsbetrieb laufe weltweit ohne Einschränkungen weiter, teilte das Unternehmen mit. Lieferanten und Mitarbeiter würden regulär bezahlt, Entlassungen seien nicht geplant. Lediglich eine nicht operative Tochtergesellschaft in Luxemburg ohne Mitarbeiter oder Kunden ist formal Teil des Verfahrens.
Unternehmenschef David Rawlinson gibt sich trotz der Insolvenz optimistisch. Man habe sich erfolgreich im Bereich Live-Social-Shopping positioniert, sei zu einem führenden Anbieter im TikTok-Shop aufgestiegen und habe das Geschäft auf Streamingplattformen ausgebaut. HSN und QVC seien konsolidiert und Partnerschaften mit Social-Media-Plattformen geschlossen worden. Mit einer bereinigten Kapitalstruktur wolle man die Wachstumsstrategie nun konsequent umsetzen. Das Verfahren soll noch im Sommer abgeschlossen sein.
Die Realität hinter den optimistischen Worten ist deutlich nüchterner. QVC wurde 1986 gegründet, HSN existierte bereits davor. Jahrelang konkurrierten beide Sender miteinander, bevor sie 2017 fusionierten. Zu diesem Zeitpunkt standen ihre Geschäftsmodelle bereits erheblich unter Druck. Die aktuelle Insolvenz ist das Ergebnis eines langen strukturellen Wandels, den das Unternehmen nicht rechtzeitig bewältigt hat.
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