Mitte März 2025 eröffnete ein Aachener Amtsgericht das Insolvenzverfahren über die Royal Donuts Sugar GmbH. Das Unternehmen wird liquidiert, eine Sanierung schloss Insolvenzverwalter Claus-Peter Kruth aus. Damit endet eine Geschichte, die einst wie ein Märchen begann.
Alles startete Ende 2018 in Köln. Der damals Anfang 20-jährige Enes Seker, aufgewachsen in Aachen, eröffnete seinen ersten Donut-Laden. Sein Konzept: Kringel, beladen mit Nüssen, Früchten, Karamell und Nutella, üppig und fotogen. Das Angebot traf einen Nerv. Innerhalb weniger Jahre wuchs das Filialnetz auf fast 300 Standorte in Deutschland und Europa sowie eine Dependance in Dubai. Seker galt bald als Selfmade-Millionar.
Entscheidend fur diesen Aufstieg war der geschickte Einsatz sozialer Netzwerke. Bilder von hunderte Meter langen Schlangen vor den Filialen machten die Runde, Kunden zahlten funf bis sechs Euro pro Stuck und produzierten nebenbei kostenlose Werbung. Franchise-Interessenten drängten sich, Seker prasentierte sich in Onlinevideos als schnellstwachsender Franchisegeber Europas. Sogar der US-Gigant Dunkin Donuts verlor auf dem deutschen Markt an Boden.
Doch das System hatte grundlegende Schwachen. Standortanalysen vor Filialeroffnungen fanden kaum statt, Seker glaubte, Social Media ersetze eine klassische Standortstrategie. Lizenzen wurden haufig an Branchenfremde ohne Gastronomieerfahrung vergeben. Mancher Lizenznehmer wirtschaftete unprofessionell, scheute notwendige Investitionen und fuhrte seine Filiale mit minimalen Offnungszeiten. Gleichzeitig reagierte der Markt: Discounter, Backereien und Cafes ubernahmen die Idee des opulent verzierten Donuts, boten ihn aber fur einen Bruchteil des Preises an. Der Markt war rasch gesattigt, das Produkt verlor seinen Exklusivitatsanspruch.
Bereits 2024 schlossen Filialen in rascher Folge. Wirtschaftsmedien titelten uber den gescheiterten Donut-Konig. Im November 2024 stellte das Unternehmen selbst einen Insolvenzantrag, ein Glaubiger folgte im Januar 2025 mit einem weiteren. Im Marz wurde das Verfahren eroffnet.
Seker selbst raumt in einem langen Onlinevideo Fehler ein, verteidigt aber zugleich viele seiner damaligen Entscheidungen. Mittlerweile vermarktet er ein neues Konzept namens Crusty Slices und sieht seine Erfahrungen als Grundlage fur einen Neustart.
Eine laufend aktualisierte Übersicht weiterer Firmeninsolvenzen im DACH Raum finden Sie unter Aktuelle Insolvenzen.