Mehr als tausend laufende Mietverträge, 14 Beschäftigte und ein Geschäftsmodell, das auf Vorfinanzierung angewiesen ist: Der Hamburger Anbieter Paceheads steht vor einer ungewissen Zukunft. Am 2. Oktober stellte das Unternehmen beim Amtsgericht Hamburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Das Amtsgericht bestellte den Hamburger Rechtsanwalt Ingmar Jarchow von der Kanzlei Turner Inso zum vorläufigen Verwalter. Er gibt Entwarnung für bestehende Kunden. Alle laufenden Verträge würden weiter erfüllt, Wartung und Service fänden statt, Neuabschlüsse seien möglich. Jarchow rechnet mit der förmlichen Verfahrenseröffnung Anfang Januar 2027.

Das 2019 von Franz Bayer und Fabian Helbing gegründete Göttinger Unternehmen vermietet im monatlichen Abomodell Rennräder, Gravelbikes und Fahrradcomputer. Auch Geräte der Hamburger Marke Bonvelo gehören zum Angebot.

Den Auslöser der Zahlungsschieflage sehen die Gründer in einer Tochtergesellschaft. Die Paceheads Service GmbH, über die der stationäre Fahrradhandel lief, hatte bereits Ende Januar 2026 Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Die Ladengeschäfte in Hamburg und Göttingen schlossen daraufhin zum 1. April. Diese Entwicklung traf die Muttergesellschaft unmittelbar. Bestehende Finanzierungszusagen brachen weg, gerade in einer Phase, in der das Abogeschäft auf kontinuierlichen Kapitalzufluss angewiesen war.

Bayer und Helbing beschreiben das strukturelle Dilemma in einer gemeinsamen Erklärung: Geräte müssten zunächst vorfinanziert werden, während die monatlichen Mieteinnahmen erst über einen langen Zeitraum zurückflössen. Ohne neue Geräte kein Neugeschäft, ohne Neugeschäft kein künftiger Umsatz. Die Fixkosten für Personal, Lagerflächen und Werkstätten liefen derweil unverändert weiter. Rückblickend räumen die Gründer ein, die Kostenstruktur hätte früher und entschlossener angepasst werden müssen.

Selbstkritik üben sie auch an der eigenen Wachstumsstrategie. Die Übernahme des Hamburger Händlers Trionik im Jahr 2023 und der Einstieg bei der Fahrradmarke Bonvelo im Jahr 2024 hätten mehr Komplexität geschaffen, als ursprünglich erwartet. Jede neue Geschäftssparte bedeute nicht nur Umsatzpotenzial, sondern auch zusätzlichen Kapitalbedarf.

Jarchow sieht dennoch Spielraum für eine Rettungslösung. Investorengespräche laufen wieder. Sowohl ein Einstieg eines strategischen Partners als auch eine vollständige Übernahme kämen rechtlich in Betracht. Der Verwalter zeigt sich optimistisch. Das Konzept sei innovativ, der Markt habe die schlimmste Bereinigungsphase überstanden.

Die Gründer knüpfen eine Bedingung an jede Lösung: Das Fortführungskonzept müsse nicht nur betrieblich, sondern auch bei der Finanzierung dauerhaft tragfähig sein.

Unsere laufend aktualisierte Übersicht zu weiteren Unternehmensinsolvenzen im DACH Raum finden Sie hier: Aktuelle Insolvenzen.

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