Beim Automobilzulieferer Aios steht die Zukunft von rund 300 Beschäftigten auf der Kippe. Das Unternehmen, das Fahrzeuginnenausstattungen für Mercedes-Benz fertigt, hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Zuständig ist das Amtsgericht Bremen.
Drei Standorte, 300 Arbeitsplätze
Aios, ausgeschrieben Automotive Integrated Overhead Systems, hat seinen Hauptsitz in Überherrn-Altforweiler im Saarland. Dort arbeiten etwa 240 Menschen. Weitere Standorte liegen in Bremen und in Sindelfingen bei Stuttgart. Insgesamt beschäftigt der Zulieferer rund 300 Mitarbeiter, die nun um ihre Stellen bangen.
Bei einer Eigenverwaltung behält die bisherige Geschäftsführung die Leitung des Betriebs. Ein vom Gericht bestellter Sachwalter überwacht ihr Handeln und schützt die Interessen der Gläubiger. Das Verfahren soll dem Unternehmen Raum für eine Sanierung verschaffen. Ob am Ende ein Fortbestehen gelingt, bleibt offen.
Für die Belegschaft greift in solchen Fällen in der Regel das Insolvenzgeld. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt dabei für bis zu drei Monate die Nettolöhne. Die Löhne sind damit zunächst gesichert, während das Verfahren anläuft.
Warnung schon im Sommer
Die Probleme kamen nicht über Nacht. Nach vorliegenden Angaben warnte die Geschäftsleitung intern bereits im Juni 2026 vor einer drohenden Insolvenz. Die IG Metall wirft dem Unternehmen vor, kein tragfähiges Zukunftskonzept vorgelegt zu haben.
Die Gewerkschaft forderte einen Sozialtarifvertrag für die Beschäftigten. Im September 2026 rief sie zu einem Warnstreik auf. Für Samstag, den 24. Oktober 2026, hatte sie eine Beratung ihrer Mitglieder angesetzt. Weitere Arbeitsniederlegungen schloss sie nicht aus.
Zusätzlich belastet die Lage beim wichtigsten Kunden den Zulieferer. Bei Mercedes-Benz herrschen Kostendruck und Sparmaßnahmen. Wie stark sich das konkret auf Aufträge an Aios auswirkte, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor.
Mercedes-Benz fährt Sparkurs
Der Autohersteller will in Deutschland massiv Kosten senken. Er baut Stellen von Zeitarbeitern ab. In Sindelfingen, Bremen und Rastatt sind teilweise rund 3000 Zeitarbeiter betroffen.
Zudem strebt der Konzern jährliche Einsparungen von rund 800 Millionen Euro an. Dafür will er Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und Gewinnbeteiligung kürzen oder streichen.
Für die Stammbelegschaft gilt eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2034. Im Dezember 2026 sollen zudem freiwillige Abfindungsprogramme starten. Betriebsrat und IG Metall lehnen die Sparpläne ab.
Für Aios beginnt nun die entscheidende Phase. Das Amtsgericht Bremen prüft den Antrag, und die Beschäftigten warten auf Klarheit über ihre Zukunft an den Standorten im Saarland, in Bremen und in Sindelfingen.
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