Mitten im 61. Betriebsjahr gerät ein Familienunternehmen aus dem Sauerland in ernste wirtschaftliche Turbulenzen. Die Genuss-Bäckerei Tillmann aus Balve steht vor einem Sanierungsverfahren – doch der Alltag in den Filialen geht vorerst weiter.
Das Amtsgericht Arnsberg hat am Montag das Verfahren zur Eröffnung einer Insolvenz über das Vermögen von Inhaber Rainer Tillmann eingeleitet. Als vorläufiger Verwalter fungiert der Kölner Jurist Dr. Jan Janßen. Er prüft nun im Auftrag der Gläubiger die finanzielle Lage des Betriebs.
105 Beschäftigte, acht Verkaufsstellen, eine Eisdiele, ein mobiler Verkaufswagen und das Stammhaus an der Hauptstraße in Balve – das ist das Fundament, auf dem Tillmann seinen Betrieb aufgebaut hat. Produktion und Verkauf laufen nach Angaben des Inhabers unverändert weiter. Auch die Gehälter der Belegschaft sind für die nächsten drei Monate abgesichert.
Tillmann selbst beschreibt eine Gemengelage aus wirtschaftlichem Gegenwind, die sich über anderthalb Jahre hinweg aufgestaut hat. Schwächelnde Konjunktur, Baustellen rund um mehrere Filialen mit entsprechend ausbleibenden Kunden, wachsende bürokratische Belastungen, ein gestiegener Mindestlohn sowie höhere Treibstoffkosten hätten den Betrieb zunehmend unter Druck gesetzt. Zusätzlich mache der Preiskampf mit Lebensmitteldiscountern das Bäckerhandwerk strukturell schwieriger.
Bei einer Versammlung der Belegschaft sendete der Inhaber ein klares Signal: Gemeinsam wolle man den Weg aus der Krise finden. Höhere Preise als alleiniges Mittel lehnt Tillmann dabei ab.
Das Verfahren versteht der Unternehmer ausdrücklich als Instrument zur Sanierung, nicht als Vorstufe zur Aufgabe. Hinter den Kulissen läuft die Suche nach einem tragfähigen Konzept, das Standorte und Arbeitsplätze dauerhaft sichert.
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