Das fränkische Unternehmen Bierothek, bekannt als Onlinehändler und Marktplatz für Bier, steckt in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. Das Amtsgericht Bamberg ordnete Mitte April 2026 für gleich zwei Gesellschaften der Gruppe die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Betroffen sind die Bierothek GmbH sowie die Bierothek Marketplace GmbH.
Für jedes der beiden Verfahren wurde ein eigener Verwalter eingesetzt. Die Bierothek GmbH wird von Rechtsanwalt Peter Roeger aus Bayreuth betreut, die Bierothek Marketplace GmbH von Holger-Christian Buehler, ebenfalls aus Bayreuth. Beide Unternehmen stehen damit unter gerichtlicher Kontrolle. Vorrangiges Ziel ist die Sicherung der Vermögenswerte und die Prüfung der wirtschaftlichen Lage.
Die Bierothek hatte sich als digitale Plattform zwischen Brauereien, Fachhändlern und Endkunden positioniert. Neben einem Onlineshop für nationale und internationale Bierspezialitäten betrieb das Unternehmen stationäre Ladengeschäfte im Franchise und Filialmodell. Der Schwerpunkt lag auf Craft Beer und Spezialitätenbieren. Noch im Herbst 2023 hatte die Haus Cramer Gruppe eine strategische Beteiligung an dem Händler übernommen, um das digitale Geschäft und den Direktvertrieb weiter auszubauen.
Das Geschäftsmodell erwies sich jedoch als kapitalintensiv. Plattformbasierte Handelsmodelle dieser Art sind in hohem Maß abhängig von stabiler Nachfrage, funktionierender Logistik und einer soliden Wachstumsfinanzierung. Hinzu kommt, dass der deutsche Craft-Beer-Markt zuletzt durch schwache Nachfrage und geringe Margen unter Druck geraten ist. Steigende Kosten in Logistik und Marketing sowie ein zurückhaltendes Konsumverhalten verschärften die Lage zusätzlich.
Im Rahmen der vorläufigen Insolvenzverwaltung bleibt die Geschäftsführung zwar im Amt, handelt jedoch nur noch mit Zustimmung der Verwalter. Ob der Betrieb, insbesondere der Onlinehandel und die Filialstruktur, fortgeführt werden kann, ist derzeit offen.
In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob ein Investor gefunden werden kann, eine Restrukturierung gelingt oder Teile des Geschäfts aufgegeben werden müssen.
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