Mitten im Herzen Wiens steckt ein Bauprojekt der Spitzenklasse in einer tiefen finanziellen Krise. Die Hagenauer Austria GmbH & Co KG, Totalunternehmer beim Bau des Mandarin Oriental in der Riemergasse, hat beim Handelsgericht Wien die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das prestigeträchtige Projekt mit einem Gesamtvolumen von rund 150 Millionen Euro steht damit im Mittelpunkt eines handfesten Wirtschaftsstreits.
Auslöser der Pleite ist ein massiver Konflikt mit der Projektentwicklerin Brisen Development GmbH. Das Bauunternehmen macht offene Forderungen von etwa 21 Millionen Euro geltend und beklagt ausgebliebene Zahlungen sowie fehlende Sicherheiten. Die Gegenseite verweigert die Zahlung und beruft sich dabei auf Baumängel und Verzögerungen bei der Ausführung. Die Verbindlichkeiten der Hagenauer Austria belaufen sich laut dem Gläubigerschutzverband KSV1870 auf rund 18,9 Millionen Euro. Wegen der gesetzlichen Solidarhaftung der Komplementärgesellschaft sei bei der GmbH mit Schulden in ähnlicher Höhe zu rechnen.
Zur finanziellen Schieflage haben mehrere Faktoren beigetragen. Der technisch außerordentlich anspruchsvolle Umbau des Gebäudes sowie mehr als 100 Projektänderungsanzeigen belasteten das Unternehmen erheblich. Hinzu kommt die Insolvenz eines bedeutenden Nachunternehmers im Bereich Gebäudetechnik, die unerwartete Mehrkosten nach sich zog. Das Unternehmen selbst führt sein Scheitern vor allem auf Auseinandersetzungen mit der Auftraggeberin über angebliche Leistungsstörungen während der Projektabwicklung zurück.
Eine Fortführung oder Sanierung des Unternehmens ist nicht geplant. Die schuldnerischen Gesellschaften haben einer Schließung bereits zugestimmt.
Für den Hotelbetrieb hat die Insolvenz des Bauunternehmens keine unmittelbaren Folgen. Das Mandarin Oriental hatte im Dezember 2025 seinen Betrieb aufgenommen und verfügt über 136 Zimmer und Suiten sowie mehrere Gastronomiebereiche. Diese bleiben nach Angaben des Betreibers weiterhin geöffnet und sind von den rechtlichen Auseinandersetzungen rund um den Bau nicht direkt betroffen.
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