Nach einem der aufsehenerregendsten Finanzskandale der jüngeren Kryptoszene steht Movement Labs vor dem wirtschaftlichen Aus. Das auf Blockchain-Technologie spezialisierte Unternehmen hat beim zuständigen Gericht im US-Bundesstaat Delaware einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens nach dem amerikanischen Sanierungsrecht gestellt.
Dabei ist der Absturz umso dramatischer, weil Movement Labs zuvor insgesamt 141,4 Millionen Dollar in mehreren Finanzierungsrunden eingesammelt hatte. Selbst eine Finanzierungsrunde unter Führung des bekannten Risikokapitalgebers Polychain Capital gehörte dazu. Dieses Kapital ist offenbar aufgezehrt.
Der Ausgangspunkt der Misere liegt im Dezember 2024. Damals brachte das Unternehmen seinen eigenen digitalen Vermögenswert, den sogenannten MOVE-Token, auf den Markt. Kurz nach der Erstnotierung an der Kryptobörse Binance tauchten innerhalb kürzester Zeit Token im Gegenwert von 66 Millionen Dollar auf dem Markt auf. Dahinter steckte ein Kurspflegevertrag mit dem Unternehmen Rentech. Das plötzliche Überangebot ließ den Kurs abstürzen und vernichtete binnen weniger Tage Milliardenwerte.
Binance warf Rentech anschließend vor, den gesamten Tokenbestand bereits einen Tag nach der Markteinführung veräußert zu haben, während kaum Kaufaufträge eingingen. Der erzielte Gewinn soll sich auf 38 Millionen Dollar belaufen haben. Binance schloss Rentech daraufhin im März von der Plattform aus.
Interne Ermittlungen durch die beauftragte Prüfungsgesellschaft Groom Lake brachten Verbindungen zu dem chinesischen Kurspflegespezialisten Web3Port ans Licht. Das hatte Folgen: Mitgründer Ruhikesh Manche verlor seinen Posten. Er taucht nun als größter ungesicherter Gläubiger in den Insolvenzunterlagen auf, mit einer Forderung von mehr als 1,6 Millionen Dollar.
Die eingereichten Dokumente offenbaren das ganze Ausmaß der Schieflage. Das Unternehmen gibt Vermögenswerte zwischen 100.000 und 500.000 Dollar an, dem stehen Verbindlichkeiten von mehr als einer Million Dollar gegenüber. Die Zahl der Gläubiger liegt unter 1.000. Zu ihnen zählen auch die Steuerbehörde des Bundesstaates Delaware sowie das Finanzunternehmen Anchorage Digital.
Die Geschäftszahlen unterstreichen den Niedergang. Die täglichen Netzwerkgebühren lagen zuletzt bei gerade einmal acht Dollar. Der MOVE-Token fiel von einstmals 1,45 Dollar auf rund einen Cent und damit auf ein Rekordtief.
Die erste Gläubigerversammlung ist für den 20. August angesetzt.
Eine laufend aktualisierte Übersicht weiterer Firmeninsolvenzen im DACH Raum finden Sie unter Aktuelle Insolvenzen.
