Die insolvente Spedition Nothegger aus St. Ulrich am Pillersee steht vor einem entscheidenden Abschnitt. Bei der ersten Prüfungstagsatzung am Landesgericht Innsbruck wurden 388 Forderungen über insgesamt rund 36,4 Mio. Euro angemeldet. Anerkannt wurden davon lediglich 15,4 Mio. Euro, der verbleibende Teil wird bestritten. Mit weiteren Forderungen ist zu rechnen, die in einer gesonderten Tagsatzung geprüft werden sollen.
Das Unternehmen beschäftigt knapp 200 Mitarbeiter direkt, weitere rund 200 Lkw-Fahrer sind bei einer Schwestergesellschaft angestellt. Der Betrieb konnte bislang aufrechterhalten werden. Die Familie Nothegger stellte dafür eine Fortführungskaution von rund 1,4 Mio. Euro bereit. Zusätzlich wurden durch den Verkauf einer Beteiligung rund eine Million Euro Liquidität generiert. Ausstehende interne Verrechnungskonten in Höhe von mehreren hunderttausend Euro wurden ebenfalls beglichen.
Trotz dieser Schritte bleibt die finanzielle Lage angespannt. Offene Kundenforderungen aus dem laufenden Betrieb belaufen sich auf mehr als 6 Mio. Euro. Da die Insolvenzverwalterin auf Zahlungseingänge der Auftraggeber angewiesen ist, lässt sich die Liquiditätslage kaum steuern. Gläubigervertreter betonen, dass eine Sanierungsquote allein aus dem operativen Geschäft nicht realisierbar sein dürfte. Externe finanzielle Unterstützung sei daher unabdingbar. Zudem wird ein spürbarer Beitrag aus dem Eigentuemerkreis eingefordert.
Die kommenden Wochen sind ausschlaggebend. Die Unternehmensverantwortlichen müssen belastbare Unterlagen vorlegen, bevor eine konkrete Einschätzung zur Überlebensfähigkeit des Betriebs möglich ist. Der Fortbestand der Arbeitsplaetze gilt damit weiterhin als ungesichert.
Das Vermögen des Unternehmens umfasst firmeneigene Fahrzeuge im Schätzwert von 9,7 Mio. Euro sowie Leasingfahrzeuge im Wert von 7,4 Mio. Euro. Die Betriebsliegenschaft wurde mit 1,9 Mio. Euro bewertet. Hinzu kommen Beteiligungen an verbundenen Gesellschaften sowie Wertpapiere.
Den Ursprung der Krise sehen Beobachter unter anderem in der Coronapandemie, als Nothegger staatliche Stundungsregelungen für Steuern und Sozialabgaben intensiv nutzte. Die spätere Rückzahlung dieser Verbindlichkeiten soll das Unternehmen überfordert haben. Den Insolvenzantrag stellte die Österreichische Gesundheitskasse wegen offener Beiträge von rund 3,2 Mio. Euro. Laut Gläubigervertretern handelt es sich um die größte Firmeninsolvenz in Tirol seit 15 Jahren.
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