Der Zwickauer Sozialträger „Gemeinsam Ziele erreichen“ (GZE) steckt in einer Insolvenz. Betroffen sind rund 60 Beschäftigte und mehrere soziale Angebote der Stadt, darunter die Zwickauer Tafel. Ob der eingetragene Verein mit Sitz im Haus der Vereine weiterbestehen kann, ist offen.

Einbruch in der Buchhaltung

Die Lage des Vereins war nach bisherigen Erkenntnissen deutlich ernster als zunächst vermutet. Die Buchhaltung war zusammengebrochen, die finanzielle Schieflage erwies sich als schwer. Das Amtsgericht Zwickau setzte zunächst einen vorläufigen Gutachter ein. Ein solcher Gutachter prüft in der Regel, ob ein Insolvenzgrund vorliegt und ob genug Vermögen für die Kosten eines Verfahrens vorhanden ist. Im Sommer 2026 eröffnete das Gericht schließlich das Insolvenzverfahren. Rechtsanwalt Andreas Schenk wirkt dabei als Verwalter. Die Prüfung durch den Gutachter war eingeleitet worden, bevor sich der weitere Weg des Vereins klärte. Zu Umsatzzahlen des Vereins liegen keine Angaben vor.

Löhne dank Insolvenzgeld gesichert

Für die Beschäftigten brachte das Verfahren zumindest eine Entlastung. Sie hatten für Juni und Juli 2026 keinen Lohn erhalten. Der Verwalter ermöglichte über die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes, dass die ausstehenden Beträge nachträglich auf ihre Konten gelangten.

Das Insolvenzgeld ist eine gesetzliche Leistung. Es deckt in der Regel die Nettolöhne für bis zu drei Monate vor der Verfahrenseröffnung ab. Bis die Arbeitsagentur zahlt, vergehen oft einige Wochen. Bei einer Vorfinanzierung überbrückt ein Dritter diese Zeit und streckt den Betrag vor, sodass die Beschäftigten ihr Geld früher erhalten.

Etwa 40 Menschen arbeiten bei der Tafel, knapp 20 weitere in der Schul- und Jugendsozialarbeit. Der Verein betreibt außerdem Berufssozialarbeit. Seine Tätigkeitsorte liegen in Zwickau und im Stadtteil Marienthal.

Hilferuf aus Marienthal

Am stärksten bedroht ist derzeit das Tiergehege am Stadtgut Marienthal. Dem Angebot droht die Schließung. Das Team des Geheges wandte sich mit einem Hilferuf an das Rathaus. Eine Zusage der Stadt ist dem Faktenstand nach bislang nicht bekannt.

Der Verwalter begann unterdessen mit Aufräumarbeiten im Verein. Dazu gehört eine personelle Entscheidung, die er durchsetzte, um den Betrieb zu stabilisieren. Näheres dazu ist nicht bekannt. Auch über die Suche nach einem Investor oder einem neuen Träger für einzelne Bereiche gibt es keine Angaben.

Offen bleibt damit, welche der sozialen Angebote nach der Pleite weiterlaufen. Das Verfahren entscheidet auch darüber, ob der Verein als Ganzes fortgeführt wird, in Teilen weiterexistiert oder abgewickelt werden muss. Für die Menschen, die auf die Tafel und die Jugendarbeit angewiesen sind, hängt davon viel ab.

Weitere Insolvenzfälle aus Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie in unserer Übersicht Aktuelle Insolvenzen.

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