Eine Tragödie auf dem Mittelmeer, juristische Auseinandersetzungen in mehreren Ländern und ein finanzielles Desaster in der Bilanz: Für The Italian Sea Group hat die Kombination dieser Faktoren fatale Folgen. Der italienische Werftenkonzern hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt und steht nun zum Verkauf. Mehrere Interessenten sollen bereits Kontakt aufgenommen haben.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres summierte sich der Nettoverlust auf rund 16 Millionen Euro. Die Gesamtbilanz weist für das Jahr einen Fehlbetrag von 157 Millionen Euro aus. Dazu kommt ein negatives Eigenkapital von 376 Millionen Euro. Für den Konzern gibt es keinen Ausweg mehr.
Dabei galt The Italian Sea Group lange als Aushängeschild der italienischen Luxusschifffahrt. Gründer Giovanni Costantino hatte das Unternehmen 2009 ins Leben gerufen und es durch Kooperationen mit Marken wie Armani und Lamborghini zu internationalem Renommee geführt. Durch zahlreiche Zukäufe wuchs der Konzern erheblich. Zum Portfolio gehören unter anderem die Marken Tecnomar, Admiral, Picchiotti und NCA Refi sowie der Möbelhersteller Celi. Im Jahr 2021 kam die traditionsreiche Werft Perini Navi hinzu.
Genau diese Übernahme sollte sich als verhängnisvoll erweisen. Perini Navi hatte 2008 die Segelyacht namens „Bayesian“ gebaut. In der Nacht zum 19. August 2024 sank dieses Schiff vor der sizilianischen Küste während eines heftigen Sturms. Sieben Menschen kamen dabei ums Leben, darunter der britische Technologieunternehmer Mike Lynch und seine Tochter. Die genauen Umstände des Untergangs sind bis heute juristisch ungeklärt.
Die wirtschaftlichen Folgen für Perini Navi waren sofort spürbar. Nach dem Unglück ging kein einziger neuer Auftrag mehr ein. The Italian Sea Group reagierte mit einer Klage gegen Kapitän und Besatzung und forderte 456 Millionen Euro Schadenersatz. Die britische Unfalluntersuchungsbehörde äußerte hingegen Zweifel an der Konstruktion des Schiffes. Gleichzeitig drohen Forderungen der Witwe von Lynch.
Costantino zog sich bereits im Juli aus dem Unternehmen zurück. Er erklärte öffentlich, sich von seinen eigenen Führungskräften hintergangen zu fühlen. Seitdem sucht der Konzern nach einem Käufer.
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