Fr. 10. Apr.. 2026

Der Aachener Fahrzeuglampenhersteller Ultinon Motion Germany GmbH ist insolvent. Das Amtsgericht Aachen ordnete am 9. Februar ein Insolvenzeröffnungsverfahren an. Rund 500 Beschäftigte am Standort bangen nun um ihre Stellen. Der Geschäftsbetrieb wird vorerst aufrechterhalten, die Belegschaft erhält Insolvenzgeld. Für eine dauerhafte Zukunft des Unternehmens wird ein Investor gesucht.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Wolfgang Piroth eingesetzt. Er ist befugt, Bankguthaben und Forderungen des Unternehmens einzuziehen. Verfügungen über das Firmenvermögen bedürfen seiner Zustimmung, Zwangsvollstreckungsmaßnahmen gegen das Unternehmen sind weitgehend untersagt.

Ultinon ist auf die Herstellung von Fahrzeuglampen spezialisiert und gibt an, weltweit rund 1700 Mitarbeiter zu beschäftigen. Etwa jedes dritte Fahrzeug auf der Welt sei mit den Leuchten des Unternehmens ausgestattet.

Der Ursprung der Krise liegt beim amerikanischen Mutterkonzern First Brands Group. Dieser hatte das damals noch unter dem Namen Lumileds firmierende Unternehmen im Mai 2024 für 238 Millionen US-Dollar übernommen. Die IG Metall in Aachen zeigte sich zum damaligen Zeitpunkt noch optimistisch und sah keinen Anlass zur Sorge.

Doch First Brands geriet selbst in eine schwere Schieflage. Im September 2025 meldete der Konzern Insolvenz an. Zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs standen Verbindlichkeiten von mehr als neun Milliarden US-Dollar lediglich zwölf Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln gegenüber. Der Konzern hatte zuletzt einen weltweiten Jahresumsatz von rund fünf Milliarden US-Dollar ausgewiesen.

Firmengründer Patrick James und sein Bruder Edward James müssen sich inzwischen strafrechtlich verantworten. Die Staatsanwaltschaft des Southern District of New York wirft beiden milliardenschweren Betrug vor. Konkret geht es um gefälschte Sicherheiten, mehrfach verpfändete Vermögenswerte und irreführende Finanzberichte, mit denen zahlreiche Banken und Kreditgeber getäuscht worden sein sollen. Staatsanwalt Jay Clayton bezeichnete das Vorgehen als ungeheuren Betrug. Dem 61-jährigen Patrick James droht eine Haftstrafe zwischen zehn Jahren und lebenslänglich, sein Bruder könnte zu bis zu 30 Jahren verurteilt werden. Beide plädieren auf nicht schuldig.

Der Kollaps von First Brands trifft mehrere deutsche Tochterfirmen. Bereits zuvor hatten die ehemaligen Bolta-Werke, die CoFo-Gruppe sowie der Dichtungshersteller Meteor aus Bockenem Insolvenz angemeldet. Ultinon ist damit das jüngste Opfer der Schieflage des amerikanischen Mutterkonzerns.

Eine laufend aktualisierte Übersicht weiterer Firmeninsolvenzen im DACH Raum finden Sie unter Aktuelle Insolvenzen.

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