Ein weiteres Traditionsunternehmen zieht sich vom deutschen Industriestandort zurück. Die Papierfabrik Feldmuehle stellt ihre Aktivitäten in Uetersen endgültig ein. Damit endet eine über Generationen gewachsene Produktionstradition, die die Stadt und ihre Wirtschaft über mehr als ein Jahrhundert geprägt hat. Rund 200 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz.
Die Maschinen stehen bereits still. In den kommenden Wochen werden lediglich noch vorhandene Lagerbestände ausgeliefert. Neue Aufträge werden nicht mehr gefertigt. Das Unternehmen hatte sich auf die Herstellung von Spezialpapieren konzentriert, unter anderem für Etiketten und Verpackungen, und war in diesem Segment international anerkannt.
Der Schritt kommt nach einer langen Phase wirtschaftlicher Unsicherheit. Innerhalb weniger Jahre musste Feldmuehle mehrfach Insolvenz anmelden. Trotz umfangreicher Sanierungsversuche, Investitionen in moderne Anlagen und Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs ließ sich der Standort nicht stabilisieren. Die Geschäftsleitung sieht vor allem dauerhaft hohe Energiepreise, steigende administrative Anforderungen und veränderte Marktstrukturen als zentrale Gründe für das Scheitern.
Noch vor kurzer Zeit bestand die Hoffnung, den Betrieb neu auszurichten und wettbewerbsfähig zu halten. Anpassungen in der Organisation, im Vertrieb und in der Produktion sollten den erhofften Neustart ermöglichen. Unerwartete Entwicklungen im Markt und eine weiter verschärfte Kostensituation machten diese Pläne jedoch zunichte. Am Ende blieb keine wirtschaftlich tragfähige Perspektive.
Für die Belegschaft ist die Schließung ein tiefer Einschnitt. Viele Mitarbeiter waren jahrzehntelang im Werk tätig, oft über mehrere Generationen hinweg. Eine kurzfristige finanzielle Absicherung ist kaum gegeben, da im Zuge des Insolvenzverfahrens nicht mit Abfindungen gerechnet werden kann. Die Betroffenen mussten sich unmittelbar arbeitslos melden und stehen nun vor einer beruflichen Neuorientierung.
Auch die Stadt Uetersen verliert mit Feldmuehle einen wichtigen industriellen Anker. Politik und Verwaltung sehen ihre vordringliche Aufgabe darin, den betroffenen Mitarbeitern schnell neue Perspektiven zu eröffnen und gemeinsam mit regionalen Unternehmen Anschlusslösungen zu schaffen. Für den Standort selbst ist die Zukunft offen. Sicher ist jedoch: Mit dem Aus der Papierfabrik endet ein bedeutendes Kapitel regionaler Industriegeschichte.