Noch nie abgehoben, schon am Ende: Die Fluggesellschaft Fischer Air ist zahlungsunfähig, bevor ein einziger Passagier an Bord ging. Das Hamburger Amtsgericht lehnte die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ab – mangels ausreichender Vermögenswerte. Parallel dazu erhebt die Hamburger Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe gegen den Firmengründer.

Der 71-jährige deutsch-tschechische Unternehmer Václav Fischer sieht sich einer Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 29 Fällen gegenüber. Konkret geht es um widerrechtlich bezogenes Kurzarbeitergeld sowie um Rückerstattungen von Sozialbeiträgen für Beschäftigte, für die das Unternehmen nie Abgaben geleistet hatte. Die Behörde bestätigte die Anklage auf Nachfrage.

Das Unternehmen war in Hamburg registriert. Das dortige Gericht stellte fest: Fischer Air verfügt schlicht nicht über genug Geld oder Sachwerte, um Gläubiger auch nur teilweise zu befriedigen. Ein reguläres Insolvenzverfahren kommt daher nicht zustande.

Dabei hatte alles vielversprechend geklungen. Fischer Air kündigte an, vom Kassel Airport im nordhessischen Calden aus klassische Urlaubsziele wie Kreta und Mallorca anzufliegen. Der Flughafen bewarb die geplanten Verbindungen und erhoffte sich damit endlich wieder einen stabilen Flugplan. Passagiere buchten bereits.

Doch der Starttermin verschob sich immer wieder. Erst sollte es im Dezember 2025 losgehen – zu diesem Zeitpunkt fehlte bereits die Betriebsgenehmigung. Dann folgten neue Termine: Februar 2026, Mai 2026, Oktober 2026. Abgehoben wurde nie. Manche Passagiere warteten lange auf die Rückerstattung ihrer Zahlungen.

Fischer selbst meldete sich zwischenzeitlich öffentlich zu Wort, sprach von Verschwörungen und behauptete unter anderem, ihm seien zwei Flugzeuge gestohlen worden.

Die Führung des Kassel Airports reagierte am Freitagabend einsilbig. Geschäftsführer Lars Ernst ließ lediglich mitteilen, es bestehe kein Kontakt zu Fischer. Über mögliches strafrechtliches Verhalten habe man keine Erkenntnisse. Bereits im März hatte Ernst öffentlich erklärt, Fischers Verhalten schade ihm selbst und dem Flughafen.

Für den Kassel Airport bedeutet das Scheitern von Fischer Air einen weiteren Rückschlag. Die Hoffnung auf regelmäßige Urlaubsflüge aus Nordhessen bleibt vorerst unerfüllt.

Weitere Insolvenzfälle aus Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie in unserer Übersicht Aktuelle Insolvenzen.

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