Mitten im Herbstgeschäft sucht einer der größten Filialbäcker Mittelhessens Schutz vor seinen Gläubigern. Die Bäckerei Moos mit Sitz in Aßlar beantragte Mitte Oktober 2026 ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Sie wählte dafür die Form des Schutzschirmverfahrens. Rund 480 Beschäftigte arbeiten in dem Betrieb, der 59 Filialen unterhält.

Das Verfahren im Überblick

Das Amtsgericht Wetzlar bewilligte den Antrag. Zum Sachwalter bestellte es Prof. Dr. Jan Roth. Als Sanierungsgeschäftsführer steht dem Unternehmen Stefan Hofherr zur Seite. Geschäftsführer Oliver Mahl bleibt im Amt.

Eigenverwaltung bedeutet, dass die Unternehmensleitung weiter selbst entscheidet. Ein Sachwalter überwacht sie dabei und schützt die Interessen der Gläubiger. Das Schutzschirmverfahren setzt voraus, dass der Betrieb noch nicht zahlungsunfähig ist. Die Zahlungsunfähigkeit darf lediglich drohen. Das Unternehmen erhält einige Wochen Zeit, um einen Sanierungsplan auszuarbeiten. Genau das geschieht derzeit bei Moos. Mit der Eröffnung des Hauptverfahrens rechnen die Beteiligten im Januar 2027.

Wie es für Standorte und Personal weitergeht, steht noch nicht fest. Der Plan muss erst entstehen.

Betrieb läuft vorerst weiter

Für Kunden und Beschäftigte ändert sich zunächst wenig. Produktion, Belieferung und Verkauf laufen in allen Filialen unverändert. Die Löhne und Gehälter der Belegschaft sind für die Monate Oktober bis Dezember 2026 gesichert. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt dafür Insolvenzgeld. Diese Leistung ersetzt das Nettoentgelt für bis zu drei Monate vor Verfahrenseröffnung.

Die Filialen reichen von Marburg bis Bad Homburg. Den Schwerpunkt bildet Mittelhessen, etwa der Lahn-Dill-Kreis, Gießen und der Kreis Limburg-Weilburg.

Hartmut Moos hatte den Betrieb 1986 als Bäckermeister gegründet. Seit 2018 gehört das Unternehmen zur Beteiligungsgesellschaft Hannover Finanz. Im April 2026 gab der Gründer die Geschäftsführung ab.

Steigende Kosten und harter Wettbewerb

Als Ursachen nennt das Unternehmen mehrere Entwicklungen. Rohstoffe wie Mehl und die Energie verteuerten sich deutlich. Auch die Personalkosten stiegen. Die Mehrkosten konnte der Betrieb nicht mehr vollständig an die Kunden weitergeben. Hinzu kommt der Preisdruck durch Supermärkte und Discounter. Sie vereinen etwa 70 Prozent des Backwarenabsatzes auf sich.

Die Lage von Moos spiegelt eine Entwicklung der gesamten Branche. Die Zahl der Handwerksbäckereien sank bis 2025 auf 8.659. Zehn Jahre zuvor waren es noch 12.155. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl der Insolvenzen bei Bäckereien mit eigener Herstellung um 40 Prozent auf 63 Fälle. Seit 2020 verteuerten sich Brot und Backwaren um mehr als 40 Prozent, Mehl um fast 50 Prozent.

In diesem Jahr trafen die Probleme bereits andere Betriebe. Die Bäckerei Lampe in Thüringen schloss 15 ihrer 44 Filialen. Im Sauerland meldete die Genuss-Bäckerei Tillmann Ende September 2026 Insolvenz an. Die Bäckerei Kiess & Krause in Niedersachsen kündigte an, im Mai 2027 zu schließen, weil kein Nachfolger bereitsteht.

Für Moos entscheidet sich in den kommenden Wochen, welche Filialen und wie viele Arbeitsplätze die Sanierung erhält.

Unsere laufend aktualisierte Übersicht zu weiteren Unternehmensinsolvenzen im DACH Raum finden Sie hier: Aktuelle Insolvenzen.

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