Der Traum von der Rettung aus eigener Kraft ist geplatzt. Der Radolfzeller Maschinenbauer Engmatec GmbH schließt seine Tore endgültig – und reißt 150 Beschäftigte mit in den Abgrund.
Das Unternehmen am Bodensee hatte Anfang März einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Die Geschäftsführung wollte das Ruder selbst herumreißen. Statt eines externen Verwalters sollte die Unternehmensleitung die Sanierung eigenverantwortlich steuern. Geschäftsführer Peter Sauter gab sich damals zuversichtlich und betonte die Stabilität des laufenden Betriebs.
Doch die Suche nach einem Investor blieb erfolglos. Ende Oktober stellt Engmatec den Betrieb vollständig ein. Die Arbeitsverträge aller 150 Mitarbeiter löste das Unternehmen bereits Ende Juli auf.
Das 1994 gegründete Unternehmen hatte sich auf Automatisierungstechnik und Montageanlagen spezialisiert. Zu seinem Kundenkreis zählten viele Abnehmer aus der Fahrzeugindustrie. Genau diese Branche steckt in Deutschland in einer tiefen strukturellen Krise, die zunehmend auf Zulieferer und Systempartner durchschlägt. Engmatec reiht sich nun in die wachsende Liste betroffener Betriebe ein.
Der Fall steht nicht allein. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle verzeichnete im Juli bundesweit 1.689 Zahlungsunfähigkeiten von Personen- und Kapitalgesellschaften. Gegenüber dem Vormonat Juni sank die Zahl zwar leicht um ein Prozent. Doch im Vergleich zum Juli des Vorjahres stieg sie um sieben Prozent. Noch drastischer fällt der Vergleich mit der Vorpandemiezeit aus: Gemessen am Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 liegt die aktuelle Zahl der Zusammenbrüche um 75 Prozent höher.
Steffen Müller, der Leiter der Insolvenzforschung am Institut, sieht darin ein strukturelles Problem. Die anhaltende Wirtschaftsflaute habe die finanziellen Puffer vieler kleinerer Betriebe vollständig aufgezehrt. Er erwartet auch in den kommenden Monaten keine Entspannung. Der Bereinigungsprozess am Markt laufe unvermindert weiter.
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