Einst beschäftigte die Steinkamp GmbH aus Espelkamp 108 Menschen. Heute sind es noch 71, darunter zehn Auszubildende. Jetzt droht dem westfälischen Werkzeug- und Maschinenbauer das endgültige Aus.
Das Amtsgericht Ravensburg ordnete am 22. Juni 2026 eine vorläufige Verwaltung des insolventen Unternehmens an. Der eingesetzte Verwalter betont: Der Betrieb läuft vorerst uneingeschränkt weiter. Ob das so bleibt, ist offen. Sanierung und Fortführung werden derzeit geprüft.
Für die Belegschaft läuft die Zeit ab. Die Löhne sind über das staatliche Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit nur noch bis Ende Juli abgesichert.
**Auftragseinbruch aus der Autoindustrie als Auslöser**
Steinkamp entwickelt und baut Werkzeuge, Formen, Maschinen sowie komplette Fertigungsanlagen. Die Kunden stammen hauptsächlich aus der Automobil, der Kunststoff und der Zulieferbranche. Genau dort liegt das Problem: Der massive Auftragsrückgang aus der Automobilindustrie brachte das Unternehmen ins Straucheln.
Versuche, neue Absatzmärkte zu erschließen und durch Umstrukturierungen gegenzusteuern, blieben ohne ausreichende Wirkung. Den endgültigen Anstoß zur Zahlungsunfähigkeit gab eine Kontopfändung im Frühjahr 2026, die bereits bestehende Liquiditätsprobleme weiter verschärfte.
Produziert wird weiterhin in Espelkamp westlich von Minden. Die Geschäftsleitung sitzt seit September 2025 im baden-württembergischen Betzenweiler.
**Kein Neustart, sondern Rückfall**
Für Steinkamp ist es nicht die erste Krise dieser Art. Das Unternehmen blickt auf eine Geschichte zurück, die 1970 beginnt. Bereits 2021 meldete die damalige Gesellschaft Zahlungsunfähigkeit an. Zum 1. Juli 2023 übernahm die heutige GmbH den operativen Betrieb. Nun steht erneut alles auf dem Spiel.
**Deutsche Zulieferer unter enormem Druck**
Der Fall Steinkamp steht stellvertretend für eine Branche in der Krise. Obwohl 2025 weltweit mehr Fahrzeuge produziert wurden als im Vorjahr, schrumpfte der Gesamtumsatz der hundert größten Zulieferer. Deutsche Anbieter belegen beim Umsatz weltweit zwar noch Rang zwei, erzielen aber mit einer Gewinnmarge von lediglich 1,7 Prozent den schlechtesten Wert aller großen Zuliefernationen. Japan kommt auf 5,9 Prozent, China sogar auf 9,6 Prozent.
Auch die Kostenentwicklung belastet den Standort Deutschland erheblich. Die Erzeugerpreise stiegen hierzulande um rund 6,7 Prozent jährlich, in China dagegen nur um 0,8 Prozent. Branchenbeobachter rechnen deshalb bis 2027 und 2028 mit weiteren Zusammenbrüchen und Fusionen.
Eine laufend aktualisierte Übersicht weiterer Firmeninsolvenzen im DACH Raum finden Sie unter Aktuelle Insolvenzen.
