Die Insolvenz der Berliner Konzertkasse Koka36 trifft die Kulturszene der Hauptstadt hart. In einem Krisentreffen im Club Bi Nuu kamen rund 20 bis 30 betroffene Konzertveranstalter, Vertreter von Musikverbänden und Politiker zusammen, um die Lage zu bewerten und nach Lösungen zu suchen.
Das Problem ist vielschichtig. Koka36 hatte für zahlreiche Berliner Veranstalter nicht nur Tickets im eigenen Ladengeschäft verkauft, sondern auch den Vorverkauf über den Ticketanbieter Eventim abgewickelt. Die dabei eingenommenen Gelder sollten treuhänderisch verwahrt werden, bis die jeweiligen Konzerte stattgefunden haben. Doch nach der Insolvenzanmeldung Ende Januar ist unklar, ob dieses Geld tatsächlich getrennt vom Betriebsvermögen gehalten wurde.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Florian Kleinschmit dämpfte die Erwartungen der Betroffenen deutlich: Er gehe davon aus, dass bestenfalls eine minimale Quote aus der Insolvenzmasse ausgezahlt werde. Das Geld dürften die Veranstalter also kaum wiedersehen. Insgesamt geht Kleinschmit von einem Schaden im hohen sechsstelligen Bereich aus. Ob überhaupt ein förmliches Insolvenzverfahren eröffnet wird, soll sich innerhalb der nächsten drei bis acht Wochen klären. Das Verfahren selbst könnte dann bis zu zehn Jahre dauern.
Rechtsanwalt Christoph Weber, als unabhängiger Berater vor Ort, erklärte, dass die Gelder aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf separaten Treuhandkonten verwahrt wurden, sondern auf einem gemeinsamen Konto landeten und laufend verwendet worden seien. Viele Veranstalter hatten die Zusammenarbeit mit Koka36 lediglich auf Vertrauensbasis geregelt, ohne schriftliche Vereinbarungen. Das dürfte ihre rechtliche Position erheblich schwächen.
Entstanden ist die Krise offenbar nach dem Tod des langjährigen Geschäftsführers Christian Raschke im November vergangenen Jahres. Die neu eingesetzte Geschäftsführerin stellte kurz nach ihrer Bestellung den Insolvenzantrag.
Die finanziellen Folgen sind für manche Betroffene existenzbedrohend. Der Veranstalter Greyzone verzeichnet einen Ausfall von rund 100.000 Euro, dem Gretchen fehlen 15.000 Euro, und der Harmonika-Landesverband Berlin riskiert nach eigenen Angaben die eigene Zahlungsunfähigkeit. Absagen von Konzerten sind dennoch bislang nicht geplant, bereits gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit.
Staatssekretär Michael Biel signalisierte politische Unterstützung und lud die betroffenen Veranstalter zu Einzelgesprächen in die Senatsverwaltung für Wirtschaft ein, um mögliche Liquiditätshilfen zu prüfen.