Kurz nach seinem traditionsreichen Jubiläum steht der hessische Büromöbelhersteller König + Neurath vor einem tiefgreifenden Wendepunkt. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Frankfurt ein Verfahren in Eigenverwaltung eingeleitet, um sich unter schwierigen Marktbedingungen neu aufzustellen.
Der Hersteller, der seit einem Jahrhundert ausschließlich in Deutschland fertigt, sieht sich seit Anfang 2024 einem massiven Rückgang der Nachfrage gegenüber. Viele Kunden verschieben Investitionen in Büroeinrichtungen, was die gesamte Branche unter Druck setzt. Diese Entwicklung traf auch König + Neurath hart und führte zu einem deutlichen Einbruch neuer Aufträge.
Bereits im Herbst hatte das Unternehmen externe Berater hinzugezogen, um ein Restrukturierungskonzept zu entwickeln. Dieser Prozess wird nun im Rahmen der Eigenverwaltung fortgeführt. Der Vorstand bleibt im Amt und wird durch juristische Spezialisten begleitet, um die Neuaufstellung effizient voranzutreiben.
Besonders belastend wirkt sich die verschärfte Lage im Sommer 2025 aus: Der drastische Rückgang neuer Projekte führte dazu, dass eine geplante Finanzierung nicht zustande kam. Damit verschlimmerten sich sowohl die Ertragssituation als auch die Liquidität des Herstellers. Die Geschäftsführung sieht im aktuellen Verfahren jedoch eine Chance, die betrieblichen Strukturen zu stabilisieren und zukunftsfähig auszurichten.
Für die Stadt Karben, in der König + Neurath zu den bedeutenden Arbeitgebern zählt, hat die Entwicklung große Bedeutung. Die Stadtspitze betonte, dass man auf eine tragfähige Lösung hoffe, die sowohl dem Unternehmen als auch den Beschäftigten Perspektiven sichert.
Das eingeleitete Insolvenzverfahren dient nicht der Abwicklung, sondern der Sanierung. Ziel ist es, den Traditionsbetrieb zu erhalten, das Geschäftsmodell an die veränderten Marktbedingungen anzupassen und wieder auf einen wirtschaftlich stabilen Kurs zu bringen.