Das Berliner Unternehmen Kenbi, einst Vorreiter in der mobilen Pflegebranche, steht vor einer ungewissen Zukunft. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Gregor Bräuer wurde am 28. Juni 2025 ein Schutzantrag zur Stabilisierung der finanziellen Lage gestellt. Trotz früherer Erfolge belasten hohe Betriebskosten, Personalknappheit und die Folgen der Pandemie die Bilanz.
Expansion und finanzielle Belastungen
Seit der Gründung 2019 setzte Kenbi auf aggressive Expansion. Durch die Übernahme mehrerer regionaler Anbieter wuchs das Netzwerk auf über 50 Standorte in drei Bundesländern. Zeitweise betreute das Unternehmen mehr als 2.900 Kunden und beschäftigte bis zu 1.100 Mitarbeiter. Doch das schnelle Wachstum überforderte die Strukturen: Energiekosten, Gehälter und Materialausgaben stiegen ab 2022 deutlich an, während staatliche Pflegesätze kaum angepasst wurden. Die Pandemie verschärfte diese Probleme, da zusätzliche Schutzmaßnahmen und Personalausfälle die Reserven aufzehrten.
Umstrukturierung ohne Erfolg
Anfang 2025 reagierte die Geschäftsführung mit drastischen Maßnahmen. Die IT-Abteilung, ursprünglich zur Digitalisierung der Pflegedokumentation aufgebaut, wurde geschlossen. Damit sollten jährlich Millionen eingespart und der Fokus auf die Kerndienstleistungen gelegt werden. Dennoch gelang es nicht, die Liquidität zu sichern. Aktuell sind noch 850 Angestellte im Einsatz, darunter vorrangig Pflegekräfte.
Investoren und nächste Schritte
Insgesamt sammelte Kenbi bis Herbst 2024 über 60 Millionen Euro bei Investoren ein, darunter die österreichische SPFF Holding und der Schweizer Versicherer Helsana. Ob diese weiterhin unterstützen, ist unklar. Der Insolvenzverwalter prüft nun Sanierungsoptionen wie einen Investoreneinstieg oder einen Gläubigervergleich. Der Pflegebetrieb läuft vorerst weiter, gesichert durch Insolvenzgeld für die Löhne bis Oktober 2025.
Die Branche zeigt sich alarmiert: Kenbis Schicksal spiegelt die strukturellen Herausforderungen vieler Pflegeunternehmen wider, die trotz steigender Nachfrage an mangelnder Wirtschaftlichkeit scheitern