Der Londoner Pralinenhersteller Marasu’s Petit Fours hat Insolvenz angemeldet. Das 1986 von den Konditoren Rolf Kern und Gabi Kohler gegründete Unternehmen produzierte jährlich rund 300 Tonnen hochwertige Schokoladenwaren und zählte zu den bedeutendsten Herstellern in diesem Segment. Zu den Abnehmern gehörten renommierte Adressen wie Harrods, Selfridges und Fortnum & Mason sowie die Edelmarke Prestat, die Marasu’s Petit Fours seit einer Übernahme im Jahr 2006 belieferte.
Mitte Februar beauftragten die Eigentümer die Restrukturierungsexperten Alessandro Sidoli und Jessica Barker von Xeinadin Corporate Recovery mit der gemeinsamen Verwaltung des insolventen Betriebs.
Als wesentliche Ursache für die Schieflage gilt die dramatische Verteuerung von Kakao. Missernten infolge von Überflutungen, Dürreperioden und Pflanzenkrankheiten in Ghana und der Elfenbeinküste haben die Rohstoffpreise auf Rekordniveau getrieben. Beide Länder sind gemeinsam für rund 60 Prozent der weltweiten Kakaoerzeugung verantwortlich und belasten damit die gesamte Branche erheblich.
Auch der langjährige Auftraggeber Prestat ist von der Krise nicht verschont geblieben. Das 1902 gegründete Traditionsunternehmen befindet sich ebenfalls in einem Insolvenzverfahren und musste im Februar sein bekanntes Geschäft an der Piccadilly Street in London schließen. Der Laden gilt als Inspirationsquelle für den Fantasiesüßwarenladen in Roald Dahls Roman „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Online ist Prestat weiterhin aktiv. Im Rahmen einer vorbereiteten Übertragungslösung soll das Unternehmen künftig zum Schokoladenhersteller L’Artisan du Chocolat gehören, der unter dem Dach von Polus Capital Management firmiert. Prestat besaß zudem zwei königliche Hoflieferantentitel.