Das Krankenhaus Wermelskirchen hat beim Amtsgericht Köln ein Verfahren zur Eigenverwaltung beantragt. Damit reagiert die Klinik auf ihre angespannte finanzielle Lage und will eine nachhaltige Sanierung des Standorts erreichen. Der Schritt soll die Zukunft des Hauses sichern – entweder durch eine grundlegende Umstrukturierung oder durch die Zusammenarbeit mit einem neuen Träger.
Nach Angaben von Dr. Dietmar Stephan, der derzeit die Geschäftsführung interimistisch leitet, war dieser Schritt unausweichlich. Die wirtschaftlichen Belastungen durch steigende Energie-, Personal- und Materialkosten hätten das Krankenhaus zunehmend unter Druck gesetzt. Gleichzeitig würden die gesetzlichen Vorgaben und Fördermittel den tatsächlichen Investitionsbedarf vieler Kliniken in Deutschland nicht mehr abdecken.
Obwohl die Träger – die Stadt Wermelskirchen und der Rheinisch-Bergische Kreis – das Krankenhaus bereits finanziell unterstützt haben, reichte dies nicht aus, um die Liquidität langfristig zu sichern. Mit der nun eingeleiteten Eigenverwaltung sollen die Strukturen geordnet überprüft und wirtschaftlich neu ausgerichtet werden. Begleitet wird der Prozess von Dr. Claus-Peter Kruth von der Kanzlei AndresPartner, der das Haus als externer Restrukturierungsexperte unterstützt.
Ziel ist es, den Klinikbetrieb ohne Einschränkungen fortzuführen. Alle Abteilungen bleiben geöffnet, und die medizinische Versorgung der jährlich rund 28.000 Patienten wird nach Angaben der Leitung in vollem Umfang gewährleistet. Auch die rund 400 Mitarbeiter behalten ihre Arbeitsplätze, die Löhne sind in den kommenden drei Monaten durch das Insolvenzgeld abgesichert.
Parallel dazu laufen bereits Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern – unter anderem mit dem Klinikum Leverkusen –, um langfristige Perspektiven für den Standort zu entwickeln. Zudem wird aktiv nach Investoren gesucht, die eine tragfähige Zukunftslösung ermöglichen könnten.
Bürgermeisterin Marion Holthaus betont die Bedeutung des Krankenhauses für die Stadt und die Region. Die Eigenverwaltung biete die Chance, den Betrieb zu stabilisieren und gleichzeitig neue Wege für eine wirtschaftlich solide und zukunftsfähige Gesundheitsversorgung in Wermelskirchen zu finden.
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