Fr. 27. März. 2026

Der alternative Briefzusteller Deutscher Versand Service (DVS) steckt in der Krise. Gemeinsam mit seiner Zustelltochter Xendis hat das Unternehmen beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Die bisherige Geschäftsführung bleibt vorerst im Amt und arbeitet zusammen mit einem gerichtlich bestellten Sachverwalter sowie den Beratungsgesellschaften Baker Tilly und McDermott an einem Sanierungskonzept. Der laufende Betrieb soll unterdessen ohne Einschränkungen fortgesetzt werden.

Als wesentlichen Grund für die finanzielle Schieflage verweist DVS auf das seit 2024 geltende Postgesetz. Dessen Regelungen zur Mehrwertsteuerbefreiung begünstigen demnach die Deutsche Post, während Wettbewerber wie DVS nur eingeschränkt davon profitieren können. Verschärft wurde die Lage im März 2025, als das Bundeszentralamt für Steuern auf Weisung des Finanzministeriums keine neuen Ausnahmebescheide mehr ausstellte. Regionale Zustellpartner von DVS gerieten dadurch in erhebliche rechtliche und wirtschaftliche Unsicherheit.

Die Deutsche Post weist diese Darstellung zurück. DVS habe selbst von einer solchen Bescheinigung profitiert und daher ebenfalls mehrwertsteuerbefreit anbieten können. Das Unternehmen stellt die Berufung auf den Steuervorteil des ehemaligen Staatskonzerns als Insolvenzgrund daher in Frage.

DVS ist mit einem geschätzten Marktanteil von rund 30 Prozent einer der bedeutendsten Akteure im alternativen Briefnetz und kooperiert mit zahlreichen kleineren Zustellern. Ein Scheitern der Sanierung hätte nach Einschätzung von Branchenkennern weitreichende Folgen für den gesamten liberalisierten Briefmarkt und könnte auch die Verteilung von Presseerzeugnissen beeinträchtigen.

Unabhängig vom Insolvenzverfahren verfolgt die DVS Holding eine milliardenschwere Schadensersatzklage gegen DHL. Dabei geht es um langjährige Auseinandersetzungen rund um Rabattregelungen bei Geschäftspost sowie um die Klassifizierung bestimmter Postprodukte.

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