Schwere Zeiten für die deutsche Filamentindustrie: Ein führender Hersteller von Kunstfasern kämpft um sein Überleben. Die Perlon-Gruppe mit Hauptsitz in Munderkingen musste für sieben Tochtergesellschaften ein Insolvenzverfahren beantragen.

Das Augsburger Amtsgericht handelte schnell und ernannte Dr. Max Liebig zum vorläufigen Sachwalter. Trotz der prekären Lage behalten die Geschäftsführer der betroffenen Firmen ihre Befugnisse im Rahmen der Eigenverwaltung.

Die Ursachen der Schieflage sind vielschichtig. Besonders dramatisch wirkte sich der Einbruch im Geschäft mit Papiermaschinenbespannungen aus – einem traditionellen Kernbereich des Unternehmens. Innerhalb von drei Jahren brach die Auslastung in diesem Segment um 40 Prozent ein. Gleichzeitig belasteten explodierende Energie- und Personalkosten sowie gestörte Lieferketten das Geschäft.

Trotz millionenschwerer Investitionen konnte der negative Trend nicht gestoppt werden. Verschärft wurde die Situation durch wachsenden Konkurrenzdruck aus dem Ausland.

Das operative Geschäft läuft während des Sanierungsverfahrens uneingeschränkt weiter. Die internationalen Niederlassungen bleiben vom Verfahren unberührt. Die Gruppe gehört seit 2010 zur Münchner Beteiligungsgesellschaft Serafin und unterhält Werke in fünf Ländern. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 850 Menschen und erzielt 150 Millionen Euro Umsatz.

Die produzierten Filamente finden Verwendung in verschiedenen Branchen – von der Bürstenindustrie über technische Textilien bis hin zu Kosmetik- und Dentalanwendungen.

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