Die Stürtz-Gruppe aus Rheinland-Pfalz, ein traditionsreicher Anbieter von Maschinen zur Fensterproduktion, hat Insolvenz angemeldet. Betroffen sind die Stürtz Maschinenbau GmbH sowie die Stürtz Holding GmbH mit rund 240 Beschäftigten. Das Amtsgericht Neuwied setzte zwei vorläufige Insolvenzverwalter ein, die nun zunächst versuchen, den Betrieb zu stabilisieren.
Das Unternehmen mit Sitz in Neustadt wurde 1946 gegründet und entwickelte sich vom Hersteller landwirtschaftlicher Geräte zu einem internationalen Spezialisten für Kunststofffenster-Produktionsanlagen. Weltweit wurden seit Mitte der 1990er-Jahre mehr als 10.000 Maschinen ausgeliefert. Trotz dieser Erfolgsgeschichte geriet die Gruppe zuletzt in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten.
Hauptgrund für die Insolvenz war laut Branchenkreisen der Rückzug des Eigentümers Capiton, einer Berliner Beteiligungsgesellschaft, die keine weiteren Mittel zur Verfügung stellte. Die Finanzierungsprobleme hatten sich über Jahre aufgebaut – begünstigt durch Eigentümerwechsel im Private-Equity-Sektor. Obwohl das Unternehmen aktuell gut ausgelastet ist und volle Auftragsbücher bis Mitte 2026 vorweisen kann, war ohne frisches Kapital keine Fortführung möglich.
Hinzu kommen operative Herausforderungen: Besonders der US-Markt, einst wichtigster Absatzkanal, entwickelte sich zuletzt schwach. Der drastische Anstieg der Leitzinsen in den USA belastete den Bausektor und führte zu sinkenden Auftragszahlen bei Fensterherstellern. Schon Ende 2022 war dort ein deutlicher Rückgang beim Auftragseingang zu beobachten, der sich bis ins dritte Quartal 2023 fortsetzte. Auch die Wechselkursentwicklung und Unsicherheiten im internationalen Handel könnten die wirtschaftliche Lage zusätzlich verschärft haben.
Die Insolvenz der Stürtz-Gruppe gilt als Symptom für eine insgesamt angespannte Lage im deutschen Maschinenbau. Laut einer Analyse der Beratungsgesellschaft Falkensteg ist die Zahl der Insolvenzen in der Branche seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent gestiegen. Angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sehen Experten darin ein deutliches Warnsignal für weitere mögliche Krisenfälle in der exportorientierten Industrie.