Der Automobilzulieferer Neapco steht vor dem wirtschaftlichen Aus. Am Standort Düren, wo derzeit noch rund 500 Beschäftigte tätig sind, wurde ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Die Produktion soll zwar vorerst weiterlaufen, doch die Zukunft des Werks ist ungewiss.
Die Ursache liegt in der Entscheidung des Mutterkonzerns, einen zentralen Verlustübernahmevertrag nicht wie geplant zu verlängern. Bisher sorgte diese vertragliche Absicherung für finanzielle Stabilität am Standort Düren, doch mit dem angekündigten Ende droht die Zahlungsunfähigkeit. Besonders belastend wirkt sich aus, dass die in Düren hergestellten Komponenten nicht direkt an die Kunden gehen, sondern zunächst an ein Schwesterwerk im Ausland. Dort werden sie weiter vertrieben und abgerechnet – Gewinne entstehen dadurch außerhalb Deutschlands.
Der Standort selbst hat eine bewegte Geschichte. Gegründet Ende der 1960er-Jahre von Ford, wechselte das Werk mehrfach den Besitzer. Die Zahl der Beschäftigten ging im Laufe der Jahrzehnte von über 2.000 auf ein Viertel zurück. Auch in der jüngeren Vergangenheit setzte sich dieser Trend fort. Ein geplanter Produktionsausbau im Bereich Elektromobilität verlief enttäuschend: Der StreetScooter, zunächst in Düren gefertigt, wird inzwischen in Asien produziert.
Die Stadt Düren zeigt sich dennoch entschlossen, den Standort zu erhalten. Politik, Verwaltung und Wirtschaftsförderung arbeiten mit der Unternehmensführung an Lösungen. Ziel ist, den Betrieb zu stabilisieren oder neue Investoren zu finden. Gleichzeitig ist die Belegschaft durch einen Tarifvertrag der IG Metall theoretisch bis 2029 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt – wie weit dieser Schutz in der Insolvenz greift, bleibt allerdings offen.
Neapco steht exemplarisch für die Herausforderungen der Automobilzulieferindustrie in Deutschland: Globaler Konkurrenzdruck, technologische Umbrüche und strategische Entscheidungen der Muttergesellschaften setzen viele mittelständische Betriebe unter Druck. Sollte Düren als Standort wegfallen, wäre das nicht nur ein schwerer Schlag für die Beschäftigten, sondern auch für die wirtschaftliche Struktur der gesamten Region.